Dialog - Kreisarbeit in Schulen
In den letzten Monaten begleiteten Julia & Eelco de Geus auf experimentelle Basis mehrere Dialogkreise in Schulen, mit Schülern und Lehrern. Die Rückmeldungen aller Betroffenen sind derartig positiv, dass mittlerweile ein erstes Lehrerseminar für Dialogkreisarbeit in einem Gymnasium erfolgreich abgehalten wurde.
Es begann alles im Jahr 2008, als ein/e LehrerIn aus einer Schule in Wien mit der Bitte zu uns kam einmal einen Dialogkreis in einer Klasse zu begleiten, worin viel Gewalt und Mobbing stattfand. Diese Klasse konnte laut LeherInnen nicht länger als 15 Minuten konzentriert arbeiten, danach war nur noch Unruhe.
Damals hatten wir noch keine Erfahrung mit Dialog- Kreisarbeit in Schulklassen, und wir waren natürlich nervös und unsicher, wie das ablaufen würde. Wir hatten vereinbart, es kostenlos zu machen und dafür füllten die Schüler und Lehrer vorher und nachher Fragenbögen aus, um uns Rückmeldungen zu geben, wie sie es erlebten.
Wir waren sehr erstaunt und natürlich erfreut zu merken, dass diese Klasse mit 21 Schülern, gemeinsam mit ihrem Klassenvorstand, 1,5 Stunde konzentriert im Kreis gesessen sind, sich persönlich mitgeteilt und einander zugehört haben. Es war ein sehr intensiver Austausch, worin auch manche konkrete Themen zwischen den Schülern angesprochen wurden, und vor allem offen über Unterschiede gesprochen werden konnte.
(Hier finden Sie einen Link zur Homepage vom Gymnasium Klosterneuburg,
zum Thema Dialog in dieser Schule)
Im Dialogkreis braucht man keine Angst zu haben unterbrochen zu werden, und es entsteht wirklich ein Raum, in dem jede Stimme als wichtig betrachtet wird. Bei den Rückmeldungen der Schüler, sowie bei unseren eigenen Beobachtungen wurde klar, dass es diese Prinzipien sind, die durch die Kreisform und das Arbeiten mit einem Sprechsymbol gut zum Ausdruck kommen. Die Schüler fanden es herrlich, dass ihnen einmal wirklich zugehört wurde, und sie genauso Anderen zuhören und ‚anders‘ wahrnehmen konnten als im reaktiven Schulalltag.
Diese ersten Erfahrungen begleiteten uns noch lange, und über die Zeit wurden wir öfter eingeladen solche Kreise zu begleiten. Bis Anfang des Jahres haben wir das auf experimentelle Basis kostenlos angeboten, damit wir wirklich frei Erfahrungen und Daten sammeln konnten. Jetzt ist es an der Zeit, eine gute Struktur aufzubauen, worin die Dialogkreisarbeit ihren Weg in Schulen finden kann.
Mittlerweile waren wir in vier Schulen, und haben mit insgesamt 6 Schulklassen 10x1,5 Stunden Dialog geführt. In einem Gymnasium begleiten wir ein Lehrerseminar, das von der pädagogischen Hochschule finanziert wurde, woran 18 Lehrer aus einem Kollegium teilnahmen, und worauf sehr positiv reagiert wurde.
Alles in allem ist uns klar, dass die Dialogkreisarbeit in Schulen ein hohes Potenzial hat, für die Entwicklung von Respekt, für das Wahrnehmen und dem Umgang mit Unterschieden, für das gemeinsame Denken und das Gemeinschaftsgefühl, das derzeit überall, und sicher auch in der Schule sehr gebraucht wird.
Julia & Eelco de Geus
